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Genuss-Stücke: Kloß ist das neue Fleisch

© Foto: Isabella Nadobny

Es dampft. Das Brillenglas beschlägt. Doch mein Blick lässt sich nicht trüben. Karnickel, Ente, Huhn und Gans können noch so kräftig triefen und würzig duften – das Goldgelbe auf dem Teller muss munden, darauf kommt es an, sage ich mit erhobener Gabel in der Hand und lobpreise dabei  eine Thüringer Spezialität. Aufgewachsen in der grünen Mitte des Landes, wird er mir seit Kindheitstagen jede Woche von meinen Großeltern serviert: der Kloß. Weder weich wie Butter noch hart wie Zement darf er sein. So besticht die wohlgeformte Kartoffelmasse durch eine zähe Luftigkeit. Bereits der wilde Liedermacher Fritz, Thüringer mit Leib und Seele, bekannte sich  an jedem Ort als Kloßfetischist. Doch Obacht gebe, wer nur verschlingen will. Trotz seines herzhaft-süßen Geschmacks ist der Kloß nicht für die Völlerei zwischendurch geschaffen. Gefüllt mit Semmelbröseln, liegt er oft neben dem Sonntagsbraten besonders schwer im Magen. Maß muss sein. So ist der Kloß für mich das neue Fleisch, mit einer Ausnahme: Konkurrenz findet er allein in der original Thüringer Rostbratwurst. Fortsetzung folgt…

 

Illustration: Heike Fischer

Illustration: Heike Fischer

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Kategorie: Gesellschaft

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