Kollisionen
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Der Ursprung der Panke

Wo genau die Panke in Bernau entspringt, bleibt ihr Geheimnis. Doch plötzlich ist sie da: ein kleines, geradliniges Flüsschen, von hohen Gräsern gesäumt. Anne-Sophie und Monica vom Ursprung der Panke.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des ‘Panke-Projekts‘ während der Udk-Kollisionen 2017, der interdisziplinären Projektwoche der Universität der Künste

Die Quelle, die sich in Bernau versteckt und so den Ursprung geheim hält.

Sie ist gegeben, bleibt unverändert und liefert so eine gewisse Sicherheit. Wenn alles andere modellierbar ist, das Wasser fließt und sich den Weg durch die dichtesten Wälder bahnt, auch dann bleibt die Quelle wo sie ist. Zurück zum Ursprung heißt zurück wo man sich auskennt, wo man sich geborgen fühlt. Doch was ist, wenn dieser Ursprung, diese Quelle nicht mehr zu finden ist?

Diese kleine Panke, die so leise und unscheinbar vor sich hinfließt, aber doch der Brücken bedarf.

Das Wasser, durch die Quelle in die Welt hinausgelassen, findet immer den Weg zum Meer. Es umfließt Steine, die im Weg liegen, versperrt den Mitlebenden Pfade und Straßen. Es teilt sich auf, fließt in andere Gewässer oder es geht den Weg alleine. Es verhält sich nicht zwingend gut, wird durch die Außenwelt geformt und passt sich an. Aber solange es Brücken gibt, finden alle den eigenen Weg, gehen aneinander vorbei, untereinander durch oder nebeneinander her. Ein friedliches Miteinander, das ermöglichen die Brücken.

Auf diesem Weg hinterlässt alles Spuren, große oder kleine Werke, wichtige oder unwichtige Entdeckungen, bedeutende oder unbedeutende Zeichen, für alles, was danach kommt. Doch irgendwann wird alles zerfließen, denn nichts ist für die Ewigkeit. Alles kommt und geht. Die Quelle und der Ursprung bleiben, egal ob sichtbar oder versteckt. Aber alles was danach kommt, ist der Witterung ausgeliefert.

 

 

 

Dieses Rinnsal, das sich nicht auf eine Form festlegen will. Die Veränderung ist die einzige Konstante.

Mit Worten fotografiert zwischen Bernau und Bernau-Friedenstal:

Die drei alten Tanten in der S-Bahn, die in ihren großen Einkaufstüten kramen und die eine sagt: „An die Qualität von meiner alten ‚Dederon‘ reicht die Schürze natürlich nicht heran.“ (Jonas)

Die älteren Gehörlosen, die mit ausladenden Bewegungen und heftig sich bewegenden Mundwinkeln und Zungen darüber diskutieren, dass Fahrräder in einem Lastenabteil nur stören. (Annett)

Die Quelle, die sich in Bernau versteckt und ihren Ursprung geheim hält. (Monica)

Das Rinnsal, das sich nicht auf seine Form festlegen will. Die Veränderung ist die einzige Konstante. (Monica)

Dieses nicht mehr ganz so weiße Auto, das einfach nicht aus dem Schlammloch raus will. (Monica)

Die eng aneinandergeschmiegten prall-blauen Laubsäcke am Gartenzaun unter dem  sattgelben Zierapfelbäumchen am Wegesrand. (Monica)

Diese kleine Panke, die so leise und unscheinbar vor sich hinfließt, aber doch der Brücken bedarf. (Monica)

…noch mehr Snapshots.

Snapshots sind eine Methode, die 1968 von dem Schweizer Schriftsteller Peter Wehrli erfunden wurde. Jedes einzelne Bild sollte auf ein bestimmtes Detail fokussieren, das ins Auge fällt. Wichtig ist, dass die sprachlichen Bilder von knapper, fast lapidarer Skizzenhaftigkeit sind und jeweils für sich einen einzelnen kleinen Moment während des Unterwegsseins fixieren.

Beitragsfoto: Anne-Sophie Plèche
Fotos: Anne-Sophie Plèche und Monica Camposeo
Text: Monica Camposeo

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