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Taxifahren in Marokko

Unsere Autorin hat sich bei gefühlten 50 Grad und ohne Gurt auf die Rückbank eines marokkanischen Taxis gezwängt und ihren intuitiven Selbstschutz aktiviert – ganz nach dem Motto “Augen zu und durch”.

Überlebte rasante Taifahrten in Afrika: unsere Autorin Lena Guntenhöner (Foto: Elisa Beldowski)

Mein letzter Urlaub in Marokko wurde nicht nur von einer Lebensmittelvergiftung überschattet, sondern auch von abenteuerlichen Taxifahrten. Das Taxi ist dort ein übliches Verkehrsmittel, auch, um von einer Stadt in die nächste zu kommen, denn Busse oder Züge fahren nicht überall hin. Die meisten sind alte Mercedes-Benz-Modelle, Baujahr anno dazumal.

So ein Taxi hat man nicht, wie hier üblich, für sich allein, Leute steigen zu und wieder aus, sogar mitten auf der Autobahn. Es gilt erst als voll, wenn wirklich kein Pfefferminzteeblatt mehr zwischen die Insassen passt. Kein Mensch denkt da noch daran sich anzuschnallen, wie auch, zu fünft auf der Rückbank mit nur einem Gurt?

Nun ist es in Marokko vor allem im Sommer zudem noch sehr heiß. Das tut dem Geruchsklima im Wagen nicht unbedingt gut. Eingezwängt und angeekelt saß ich oft über Stunden bei gefühlten 50 °C buchstäblich fest.

Kamelherden auf der Straße

Das wäre vielleicht noch auszuhalten gewesen, wenn dazu nicht die waghalsige Fahrweise der Taxifahrer gekommen wäre. Gut, sie allein trifft nicht die Schuld, es fehlt schon an ganz gewöhnlichen Verkehrsregeln. Gerne hätte ich ein ums andere Mal ins Lenkrad gegriffen, wenn wir direkt vor einer Kurve ein anderes Auto überholten oder eine Serpentinenstraße mit 100 Stundenkilometern entlang gewackelt sind. Doch auch Kamel- oder Ziegenherden auf der Fahrbahn gehörten zum üblichen Straßenbild.

In solchen Augenblicken wusste ich genau: Du kannst jetzt nichts machen! Und wie durch ein Wunder oder intuitiven Selbstschutz wurden immer in Augenblicken größter Gefahr meine Augenlider tonnenschwer und ich fiel in einen bleiernen Schlaf. Und bin doch jedes Mal lebend am Ziel angekommen, gut erholt und ausgeschlafen.

 

Lena Guntenhöner war Textredakteurin für die taz-Beilage “Happy End” – eine Sonderbeilage des Masterstudiengangs Kulturjournalismus an der UdK. Kontakt: lena.guntenhoener[at]udk-berlin.de

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