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Statt Schauspieler lieber Chocolatier sein

Rico & Oskar

Bei der Premiere von “Rico, Oskar und die Tieferschatten” schwelgen große Stars in ihren Kindheitserinnerungen – und die kleinen träumen von ihrer großen Zukunft

Zwei Jungs, die grundverschieden sind, aber trotzdem zusammen durch dick und dünn gehen. In der großen weiten Welt finden sie sich auch ohne ihre Eltern zurecht, fast selbstbewusster als manch ein Erwachsener. Obwohl sie sich doch auf den ersten Blick gar nicht so ähnlich sind: Oskar (Juri Winkler) ist hochbegabt und Rico (Anton Petzold), wie es der Autor der Geschichte Andreas Steinhöfel oft nennt, ist „tiefbegabt“. Doch mit einem guten Herzen und viel mehr Grips als manch anderer besinnen sich die beiden Jungs nicht auf das, was sie entzweit, sondern auf die Dinge, die sie zusammenhalten. Es ist eine Freundschaft, die nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern ab morgen auch auf der großen Kinoleinwand. „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach Steinhöfels gleichnamiger Romanvorlage kommt morgen deutschlandweit in die Kinos. Mit Karoline Herfurth, David Kross, Katharina Thalbach, Axel Prahl, Milan Peschel und vielen mehr. Regisseurin Neele Leana Vollmar schafft es, ein buntes Abenteuer zu erzählen und spinnt die Verfolgungsjagd nach dem mysteriösen Entführer Mister 2000 quer durch Berlin. Groß und vor allem Klein darf gespannt sein.

Die Darsteller und Filmcrew bei der Premiere in der Kulturbrauerei.

Die Darsteller und Filmcrew bei der Premiere in der Kulturbrauerei.

Bei der Filmpremiere in der Kulturbrauerei in Berlin gab der Buchautor zu, wie sehr ihm das Endprodukt gefällt. Er verrät aber auch, wie sehr er sich bei den Dreharbeiten rausgehalten hat: „Ich hab mich komplett rausgehalten, das ist ein Credo von mir, ich störe als Autor nur. Natürlich, jeder weiß, so was kann in die Hose gehen. Wenn man einen Flop vermeiden will, darf man eben gar nicht die Rechte verkaufen. Aber es hat sich bezahlt gemacht, dass ich einfach die Klappe gehalten habe. Mit der Besetzung war ich anfangs skeptisch, bei Karoline Herfurth dachte ich zum Beispiel: ‚Ich find’ die toll, ich seh die auch gerne, aber die als Ricos Mutter geht ja gar nicht.‘ Und jetzt ist die super. Ich bin also sehr sehr glücklich mit der Besetzung, auch die Jungs sind Bombe. Es ist ein wunderschöner Film geworden. Ja, ich würde sagen sie haben alles richtig gemacht, es geht auch ohne mich, es geht auch ohne Autor.“

Seine Geschichte unterhält Kinder, sensibilisiert sie aber auch gleichzeitig für sozialkritische Themen wie der Aufspaltung zwischen Hoch- und Tiefbegabung. Wenn die jungen Zuschauer nach dem Spaß etwas tiefer buddeln möchten, finden sie Dinge, über die sie richtig nachdenken können. „Das sind auch Bücher, so wie ich sie am liebsten selbst lese. Ich möchte reingezogen werden in die Geschichte, aber ich möchte schon auch ein bisschen Substanz haben, wenn ich genauer hingucke“, gibt Steinhöfel selbst zu.
Denn das Gerne des Kinderfilms und –buchs ist eins, das ernst genommen werden muss. Katharina Thalbach, die im Film auch mitspielt und am roten Teppich der Premiere vorbeischaut, weiß das und glaubt, diese Idee sei schon längst in der Filmbranche angekommen. „Da ist eine ganz neue Generation von Produzenten und Regisseuren herangewachsen. Die wissen, dass gute Kinderfilme eine ganz lange Haltbarkeitsdauer haben und für viele Generationen gelten können.“ Einer ihrer Lieblingsfilme ist „Hände weg von Mississippi“ von Detlev Buck aus dem Jahr 2007, der auch bei jüngeren Generationen immer wieder Anklang findet.
In ihrer eigenen Kindheit hinterließen vor allem deutsche und russische Märchenfilme à la „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Das singende, klingende Bäumchen“ einen starken Eindruck. Während diese Filme oft als typische Mädchenfilme abgestempelt werden, orientierte sich Axel Prahl, der im Film den eigenbrötlerischen Hausmeister Marrak spielt, in jungen Jahren an Tom Sawyer und Huckleberry Finn, schaute später mit Begeisterung den „Schatzinsel“-Mehrteiler.

Milan Peschel (Mitte) als der miespetrige Nachbar Fietzke.

Nicht immer gut drauf: Milan Peschel (Mitte) als der miespetrige Nachbar Fietzke.

Der Berliner Schauspieler Milan Peschel denkt direkt an Erich Kästners Geschichten zurück und zieht eine Parallele zu „Rico, Oskar und die Tieferschatten“: „Eine wichtige Botschaft ist, dass Kinder alleine etwas schaffen und unternehmen können, das ist genau das, was man von Erich Kästner kennt. Er erzählt wie in unserem Film auch von Kinder, die sich in einer Erwachsenenwelt zurecht finden müssen – und das dann auch können.“ Wenn ihnen dabei nur nicht seine Rolle des nebenan wohnenden Miesepeters Fitzke in die Quere kommt. „Aber im Grunde ist er ja nur ein einsamer Kerl, mit dem Herz dann irgendwie doch am rechten Fleck, auch wenn man es nicht sofort sieht“, verteidigt Peschel seine Rolle sofort. Alle Darsteller scheinen Spaß daran gehabt zu haben, mit den Kindern zusammen zu arbeiten. Obwohl er sich auf die beiden Jungs nicht so emotional einlassen musste wie bei seiner Hauptrolle in dem bittersüßen Film „Halt auf freier Strecke“, waren diese Dreharbeiten genauso schön: „Weil sich die Kinder einfach in die Arbeit reinstürzen und ganz authentisch sind. Die arbeiten nicht groß über Einfühlung oder so was.“

Für Katharina Thalbach, die nicht immer nur Mädchen in Hauptrollen sehen mag und sich freut, dass endlich „zwei kleene Jungs“ im Rampenlicht stehen, ging es auf dem Set auch lustig zu. „Außerdem darf man mit Kindern nicht so lange drehen, das ist auch eine sehr schöne Sache nebenbei.“ Ein Kinderpublikum sei außerdem ein besonders tolles Publikum.

So ein komischer Kauz: Axel Prahl (rechts) als Hausmeister Marrak mit Anton Petzold als Rico.

So ein komischer Kauz: Axel Prahl (rechts) als Hausmeister Marrak mit Anton Petzold als Rico.

Das findet auch Axel Prahl. Nach seiner Arbeit im Grips Theater kennt er beide Seiten des Kinos und Theaters für Kinder: „Ob es die Kinder begeistern und mitreißen wird, das erfährt man ja erst nach den Dreharbeiten. Das ist natürlich auch der Unterschied zwischen Kindertheater und Kinderfilm. Das macht aber beides irrsinnigen Spaß. Da könnte ich jetzt gar nicht sagen, was ich lieber mag, das macht beides megamäßig Laune.“ Seine eigenen Kinder sind selbst genau im richtigen Alter für den Film, haben den Roman bereits schon in der Schule gelesen. Wenn sie den Film noch mal schauen möchten, kann er sich gut vorstellen sich noch einmal nach der Premiere mit seiner Familie in eine reguläre Vorstellung zu schleichen.
Einmal selbst im Großformat auf einer Kinoleinwand zu sehen zu sein wie Juri Winkler und Anton Petzold nun schon in jungen Jahren, hätte sich Axel Prahl in seiner Jugend nicht träumen lassen. „Im zarten Alter von 14 Jahren hab ich einen Matthias Claudius-Abend gemacht. Da hab ich damals schon knapp 15-20 DinA4 Seiten auswendig gelernt und runtergerappelt. Das hat schon Spaß gemacht, ich hätte mir aber damals nie vorstellen können, Schauspieler zu werden oder dass es diesen Beruf überhaupt gibt.“
Ob es jetzt der Traumberuf von Juri Winkler und Anton Petzold ist? „Weitermachen würde ich es auf jeden Fall, aber Traumberuf, ich weiß auch nicht“, sagt Anton. Das Weitermachen bejaht auch Juri, doch er hat schon einen Plan B parat. „Ansonsten würde ich vermutlich lieber Chocolatier in der Schweiz werden, ich bin schon der Hobby-Chocolatier.“ Beim Drehen mochte er auch die Szene beim Eis essen am liebsten – erstens wegen des Eis, und zweitens, weil sie Anke Engelke fertig machen durften. Von ihrer Art her sind die beiden dann doch ein bisschen wie ihre Rollen: Anton ein bisschen gutmütig, Juri ein bisschen vorwitzig. Falls sie sich selbst eine Rolle in einem Film aussuchen dürften, würde Anton sich wieder für Rico entscheiden. „Ich hab das Buch gelesen, es ist wirklich mein Lieblingsbuch. Erst habe ich mich in Oskar verliebt, aber dann während des Buchs habe ich mich auch immer mehr in der Rolle von Rico gesehen – also Rico.“ Eine weise Antwort. Juri weiß ganz genau, wen er sich aussuchen würde, jemand ganz anderes. „Wolverine, nur ohne seine ganzen Probleme.“

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