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Das Vergnügen mit der Angst

Von Zeit zu Zeit sehe ich mir einen Horrorfilm an. Was gibt es Schöneres als sich im trauten Heim zu gruseln und das alles mit dem sicheren Gefühl, dass die schlimmen Dinge ja anderen passieren. Ein Durchgang durch die Horrorfilmgeschichte, das ist der Plan. Die DVDs stapeln sich, die Fernbedienung liegt bereit. Also Chips her, Bier auf, DVD-Player an und los geht die Horror-Soiree.

Zuerst „Jeepers Creepers 2“. Ein Monster, das alle 14 Jahre aus der Hölle kommt, frisst eine Gruppe junger und natürlich hübscher Highschoolschüler. Alle werden nacheinander feinsäuberlich zerfleischt und die Überreste tackert sich das Wesen aus der Unterwelt dekorativ an seine Höhlenwände. Fluchtversuche sind zwecklos. Die Mädchen stolpern beim Wegrennen grundsätzlich immer und der Schwarze stirbt sowieso zuerst. Hier sind die Klischees zuhause.

Arm ab ist kein Bein ab: Der lustige Metzgergesell von Texas aka Leatherface

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Zweitens „House of Wax“. Die Brüder Bo und Vincent haben einen Heidenspaß daran arglose Touristen in ihr Wachsfigurenkabinett zu locken und sie bei lebendigem Leibe zu verstümmeln und zu Wachsfiguren umzumodeln. Genau dies passiert auch – wie sollte es anders sein – sechs jungen, hübschen Collegestudenten. Eine davon wird passenderweise von der Vorzeigeblondine Paris Hilton gespielt. Bis zwei von ihnen allerdings lebend aus der Sache rauskommen, müssen sie noch herausfinden, dass einer der beiden – Achtung! – siamesischen Zwillinge unappetitlich entstellt ist, die ganze Stadt aus gewachsten Leichen besteht und es auch noch einen dritten Bruder gibt. Was ein Cliffhanger zum zweiten Teil!

Als Drittes noch das „Texas Chain Saw Massacre“. Das Cover verspricht einen psychopathischen Hinterwäldler mit einer Maske aus Menschenhaut. Was hat dieser Hannibal Lecter für Arme vor? Er vergreift sich an – richtig! – jungen, hübschen Highschoolschülern. Das „Leatherface“ ist übrigens Ex-Schlachter und in seinem verfallenen Haus gibt es daher allerhand lustiges Spielzeug mit dem er seine Opfer genüsslich malträtieren kann. Die Kettensäge rattert anderthalb Stunden lang ohne Unterbrechung, und während auf dem Bildschirm die computeranimierte Pampe aus Gehirnmasse sapscht, spritzt und gluckert, fallen mir die Augen zu.

Das Grauen hat viele Gesichter: Florian Silbereisen

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Ich träume von einem Austauschjahr an einer amerikanischen Highschool. Cheerleader in bonbonfarbig-glänzenden Kostümen wirbeln um einen Maibaum herum, eine Menschenmasse schaukelt wie eine Welle hin und her, ein Mann im Paillettenanzug kommt auf mich zu, er bleckt sein gleißend weißes Gebiss, überdimensionale Reißzähne nähern sich meinem Hals. Aber was ist das? ‘Links a Madel, rechts a Madel’ tönt es aus dem Rachen des Grauens. Mit einem Schrei erwache ich: Uaaaa – es ist Samstagabend im Ersten Programm!

 

Screenshots: Alissa Scheunemann

 

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Kategorie: Film

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