Autor: Christine Stoeckel

Trash!

In den Häusern meiner Schulfreunde beeindruckten mich immer die Büchersammlungen ihrer Eltern. Ordentlich drapiert auf dem Kaminsims oder in großen schweren Holzregalen reihte sich hier Goethe an Schiller und Schiller an Kleist. Auch fanden sich regalfüllende Lexikaausgaben, die mehr Bände besaßen als das Alphabet Buchstaben. Stets – und das war wohl auch das Ziel ihrer Besitzer – umgab diese Bücher eine Aura aus Belesenheit und Wissen. Die Leute, die hier wohnen, sind also gebildet, dachte ich und malte mir aus, wie sich beim Abendessen nicht nur die Butter gereicht, sondern hitzige Debatten über den Perspektivismus des kafkaschen Realitätsbegriffs geführt wurden. Das Steingraeber Klavier im Wohnzimmer, die Bilder von Urlauben in Indien und anderen exotischen Ländern sowie die sorgfältig inszenierten Mitbringsel taten ihr Übriges – kleine Buddhas, Wandteppiche und andere Souvenirs, die meine Mutter immer als „Hippiekitsch“ bezeichnete. Bei den Eltern meiner Freunde handelte es sich häufig um Pädagogen. Die Bilder an den Wänden hatten keine Rahmen, sondern waren – ganz alternativ – mit Heftzwecken befestigt worden und zeigten unbekannte Independentfilme, bevorzugt Französische. In der Badewanne stand …