Raum
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November ist immer grau

Grauer Himmel, grausame Leute und glitschiger  Eintritt … der wahrscheinlich in den Magen eines Ungeheuers führt

Ich beobachte wieder die Wolken und versuche vorauszusagen, in welcher Stimmung ich diesmal durch den Tag kreuzen werde. Zumindest ist die playlist-shuffle heute ganz ermutigend. Die drängende Arbeitermasse stoppt mich, als ich in den U-Bahn Tunnel gehen möchte. Dort begrüssen mich Leiter, Farbenstaub und Plastikvorhänge. Wie in ganz Berlin wird auch hier ständig etwas renoviert. Es dauert immer ewig und deshalb wird die Stadt nie fertig sein. Gut so.

An einem anderen Tag wären diese Bauarbeiter wie meine Kollegen. Heute geht es aber nicht zum Bühnenbau, sondern in die Uni. Und ich fühle mich schon wieder wie ein wildes Tier. Der Kaffe macht das – nach drei Tassen straight up wäre jeder unruhig. Diese Haltestelle macht das Ganze in solch komischer Stimmung nicht leichter.

Die Voltastrasse war einmal der letzte Stützpunkt in West Berlin. Bevor die U8 nach spärlich beleuchteten Geisterbahnhöfen im Moritzplatz wieder anhalten durfte. Heutzutage ist es eine Insel zwischen Bernauer-Touristen und Gesundbrunnen-Türken.

Ich stehe neben der Bank und starre an die schundige Bahnhofswand. Keine Gedanken, endlich Mal absoulute Stille. Aus dem Augenwinkel bemerke ich einen filzlockigen Typ in dickem Anorak, der sich neben mich stellt. Er spricht mich in Schlangensprache an. Seine Augen bleiben absolut unbeweglich, nur kleine helle Punkte beleuchten die Pupillen. Ich kenne den Zustand schon und gucke schläfrig weg. Der Typ wendet wütend seinen Kopf ab, spuckt auf die einfahrende U-Bahn, ruft den erschrockenen Passagieren noch was zu und schwankt in die Ferne. Ich steige ein, die Türen schließen. Ich halte sie für ein laufendes Fräulein noch kurz auf und greife dann zurück auf die Türecke. Bloss wieder ein Morgen in dieser wunderschönen Stadt, wo keine Stimmung mehr als ein Tag dauert.

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