Musik
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Sternschnuppennacht im Berliner Winter

Die Straßenmusikerin Alice Phoebe Lou steht im Sommer meistens mit ihrer Gitarre an der Warschauer Straße. Nun füllt sie gleich dreimal das Zeiss-Planetarium und singt unterm Sternenhimmel.

Wann war ich das letzte Mal im Planetarium? In diesem kreisförmigen Raum, in dem man auf der Plüschliege den Kopf in den Nacken legt und sich die Kuppel über einem zu öffnen scheint und sich der Himmel auftut. Es hätte an einem Samstag im Dezember sein können. Bei einem der drei Konzerte, die die Sängerin Alice Phoebe Lou im Zeiss-Planetarium gegeben hat, bevor sie für den Winter in ihre Heimat nach Südafrika zurückkehren wird. Zuerst sollte dieses Experiment von einem Konzert in einem Planetarium einmalig sein, doch als das erste und vorerst einzige “Galaxies“-Konzert schlagartig ausverkauft war, schlug die Sängerin ein zweites am Abend darauf vor. Aber auch das war im Nu ausverkauft, weshalb es nun an drei Abenden in Folge an einem besonderen Ort besondere Musik zu hören gab.

Singen von Sternen unter Sternen

Der Saal des Zeiss-Planetariums ist dunkel, erste Töne klingen von allen Seiten, die Sängerin und ihre Band auf der Bühne sind schemenhaft zu erahnen. Dann wird es hell, denn über den Köpfen des Publikums erstrahlt auf einmal der Nachthimmel mit vielen unzähligen Sternen. Alles kleine Punkten auf der gewölbten Leinwand. Schlagzeug, Bass, Klavier, zeitweise auch ein Saxophon oder ein Xylophon der Band setzen ein und vor allem die eindringliche Stimme von Alice Phoebe Lou, die so viel größer wirkt, als die zierliche junge Frau mit dem blonden Zopf und der roten Samthose. Die Musik ist entspannt, dann jazzig, manches klingt wie ein Schlaflied, auf anderes könnte man richtig tanzen, wären die Sessel nicht. Auch die Band richtet ihren Blick immer wieder nach oben, so schön ist der Sternenhimmel. Es ist ein Himmel, den man so über Berlin schon lange nicht mehr sehen kann. Nicht, weil die Sterne nicht mehr da sind. Die sind immer da, auch bei Tag.

Für Alice Phoebe Lou scheinen sie sehr präsent. Ihr Album trägt den Namen “Orbit“, sie singt vom vollen, roten Himmel oder davon wie sie mit einem Fuß auf dem Bürgersteig, mit dem anderen in der Milchstraße steht. Als die Südafrikanerin mit 18 Jahren nach Berlin kam, wollte sie Feuertanz machen. Dann entdeckte sie die Straßenmusik für sich und vor allem die Warschauer Straße als ihre Bühne. Und die Menschen entdeckten sie. Inzwischen bekommt sie Anfragen von Plattenfirmen. Die sie ausschlägt. Ihre Musik soll ihre Musik bleiben und für die Menschen um sie herum sein. Sie ist unabhängig, spielt mal alleine mit ihrer Gitarre, mal mit befreundeten Musikern auf der Straße, auf Festivals oder wenn der Berliner Winter wirklich kalt ist auch im Planetarium.

Sich einmal ganz winzig fühlen

Der projizierte Himmel dreht sich. Sternschnuppen huschen hinüber. Ein Mond geht auf. Und plötzlich erscheint die Erde zum Greifen nah. Man sieht die Kontinente, die Meere. Sie ist so groß, diese Erde. Dann aber entfernt sie sich mehr und mehr, zieht ihre Bahnen. Bald ist sie nur noch ein Punkt. So klein ist die Erde also in diesem riesigen Universum. So klein ist der Mensch. Alice Phoebe Lou erinnert sich an das Planetarium, als einen Ort, an dem ihr zum ersten Mal bewusst wurde, dass das Zentrum der Welt nicht in einem selbst liegt. Und ja, wenn man da so unter der Kuppel liegt, die vielen, vielen Sternpunkte sieht, die winzige Erde, die sich irgendwo unter sie mischt, dann fühlt man sich selbst ganz winzig und das eigene Leben erscheint wie eine Millisekunde im großen Ganzen.

Aber ist es nicht seltsam, dass wir so etwas unter einem künstlichen Planetariumshimmel erkennen müssen, wenn ein bisschen außerhalb der Stadt der echte Himmel auf uns wartet? Dazu wäre es gerade aber auch tatsächlich zu kalt. So ist es dann doch schöner, sich auf Plüschsesseln räkelnd von Alice Phoebe Lous Stimme durch das All tragen zu lassen und sich einmal ganz winzig im großen Ganzen zu fühlen.

“One foot on the pavement and one foot in the milky way”. Das Lied “Orbit” von Alice Phoebe Lou zum Anhören:

Foto: Ein Sternenhimmel und der Mond von baerchen57 unter CC BY-NC-SA 2.0.

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Kategorie: Musik

Stella Schalamon

Vielleicht liegt es daran, dass sie quasi in Zeitungsbergen aufwuchs, jedenfalls ist für Stella Schalamon die mit intuitivste Art sich zu äußern das Schreiben. Schreiben, das ist für sie wie kochen: Man schmeckt die Worte auf der Zunge und guckt, was gut zusammenpasst. Die zukünftige Filmemacherin aufregender Reportagen oder Schriftstellerin liebt Kunst, Kino, Sterne und Bienen.

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