Musik
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Eine Brücke zur Barockzeit

Auf seiner neuen CD „The Frescobaldi Legacy“  bringt uns der Pianist Sandro Ivo Bartoli Transkriptionen einiger Werke des italienischen Komponisten näher. Er baut hierbei auch eine Brücke zwischen barocker Polyphonie und dem neuen Gewand, das unter anderem Komponisten wie Ottorino Respighi für Frescobaldis Musik am Beginn des 20. Jahrhunderts schneiderten.

„The Frescobaldi Legacy“- Das Erbe Frescobaldis: Es ist ein großer musikalischer Fundus, dem sich der Pianist Sandro Ivo Bartoli auf seiner neuen CD widmet. Er spielt dabei jedoch nicht die Originalkompositionen ein, sondern deren Bearbeitungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Ottorino Respighi, Antonin Reicha, Harold Bauer, Samuil Feinberg, György Ligeti und Bela Bartok entstanden sind.

Keine leichte Aufgabe, die er sich da vorgenommen hat. Denn in den Transkription von Frescobaldis Werk wird an den ausführenden Pianisten nicht nur der Anspruch erhoben, richtige Töne zu spielen. Es gilt hierbei auch, sowohl die barocke Polyphonie als auch die neuen musikalischen Stilelemente, die in den Transkriptionen hinzugefügt werden, gleichberechtigt zum Erklingen zu bringen.

Dass Bartoli dieser Aufgabe durchaus gewachsen ist, zeigt sich besonders in der Interpretation der Fuge in g-Moll von Respighi. Zu Beginn huldigt er dem Barock in der zarten Einspielung des Themas, das daraufhin die einzelnen Stimmen durchzieht. Der Hörer ist zunächst verwirrt: Das soll eine Transkription sein? Doch schon erklingt das Thema in offenen Quinten, die Respighi in Anlehnung an ein Orgelregister hinzukomponierte. Auch der musikalische Ausdruck ändert sich: Die Stimmführungen werden komplexer, fast in Lisztscher Manier pompös. Bartoli unterstützt dies dadurch, dass er das Tempo radikal verlangsamt, um den Klängen mehr Ausdruck und Breite verleihen zu können. Somit transferiert er die barocke musikalische Gestik in die Gegenwart und stellt hörbar heraus, was ihr hinzugefügt wurde.

Auch an anderer Stelle zeigt sich Bartolis Talent heraus, die musikgeschichtlichen Bezüge zwischen Original und Transkription hervorzuheben. So arpeggiert er genüsslich die Akkorde in der Toccata a-Moll von Respighi, dass sich der Hörer zunächst in eine romantische Klangwelt versetzt fühlt. Doch dieser Eindruck währt nicht lange: Bartoli setzt ihm dann ein klar artikuliertes barockes Thema gegenüber und führt damit in den barocken Musikstil zurück.

Der Pianist wagt sich auch an die „Musica ricercata“ von György Ligeti heran. In diesem Werk wollte der Komponist durch seine eigene suchende Klangsprache barocke Elemente wie den Kontrapunkt in neue Gewänder zu kleiden. Auch hier gelingt es Bartoli, barocken Ursprung und moderne Ausgestaltung klar voneinander in Lautstärke und Agogik voneinander abzugrenzen, beides jedoch gleichzeitig in eine wohlklingende Symbiose zu bringen.

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