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Rechte Strukturen im Netz

Die Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ und die Website „Migrantenschreck“ haben einen Zusammenhang. Auf der re:publica wurde darüber gesprochen

Bereits ein kurzer Blick auf den Zeitplan genügte, um zu erkennen, dass die diesjährige re:publica vom Thema der Fake News und Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche geprägt ist. Diverse Panels und Diskussionsrunden drehten sich um die Frage, ob und wie dem Vorwurf der „Lügenpresse“ entgegenzutreten sei.

Um Glaubwürdigkeit im weiteren Sinne drehte sich auch das erste Panel am Dienstag in Halle2. Das Thema: Anonymous.Kollektiv & Migrantenschrreck: Warum wir bei Rechten geklingelt haben. Auf der Bühne saßen Kai Biermann vom Rechercheteam der Zeit und Simon Hurtz von SZ.de, Karolin Schwarz von der Hoaxmap, die fremdenfeindlichen Gerüchten Fakten entgegensetzt sowie Günther Strauß, Journalist Mitglied diverser Watchblogs und der Moderator Max Hoppenstedt, seines Zeichens Chefredakteur von Motherboard.

Vor Kurzem sorgte die Website „Migrantenschreck“ für Aufsehen: über den Online-Shop wurden mehr als 300 illegale Waffen nach Deutschland bestellt. Kai Biermann vom Rechercheteam der Zeit fiel dies auf. Für ihn war eine Grenze überschritten, als die „Angst in Taten umgesetzt“ werden sollte.Auf der Suche nach den Beweggründen zur Bewaffnung begab sich der Journalist dann zu den Bestellern. Nach einer kurzen Begrüßung und der Erklärung, man sei aus journalistischen Gründen hier, erzählten die Waffenbesitzerinnen und -besitzer ihre Motive. Nachdem „was man so im Internet liest“ sei die Gefahr natürlich gegeben, dicht gefolgt von der klassischen „Ich bin ja kein Rassist, aber..“ – Erzählung. Was auffiel: „Die Leute waren ganz normal“, nur die Angst sei allgegenwärtig. Was sonst bewegt eine Mutter zweier Kindern dazu, sich mit zwei Schreckschusspistolen und einer Armbrust zu bewaffnen?

Im Zusammenhang mit rechten Strukturen im Netz fiel ein Name immer wieder: Mario Rönsch. Denn nicht nur „Migrantenschreck“ lief unter seiner Verantwortung, er wurde auch als Administrator der „offiziellen“ deutschen Anonymous.Kollektiv-Facebookseite gelistet. Unter der Flagge des weltweiten Hacker-Kollektivs „Anonymous“ wurde dort rechte Hetze verbreitet. Zunächst fiel Aktivisten von Watchblog-Seiten 2012 auf, dass der geteilte Inhalt von netzpolitischen Themen um das Anonymous-Kollektiv zu Medien- und Politikerbashing wechselte. Dies trieb sie dazu an, mit der Recherche nach den Urhebern zu beginnen und endete in einer spannenden investigativen Geschichte, die vor allem durch SZ.de-Redakteur Simon Hurtz vorangetrieben wurde. Durch einen anonym zugespielten Screenshot konnten letztendlich die Administratoren der Seite ermittelt werden. Demnach seien die Facebook-Profile von eben jenem Mario Rönsch und Kai Homilius für die Inhalte verantwortlich. Mario Rönsch ist nach dem Abschalten durch Facebook abgetaucht und Kai Homilius verfügt anscheinend über gute Kontakte zu Jürgen Elsässer, dem Chefredakteur des rechtsoffenen Compact-Magazins.

Die erschienenen Artikel sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs monatelanger Recherchearbeit. So war beiden Vertretern der großen Zeitungen wichtig zu betonen, dass dies nur durch die freiwillige und ehrenamtliche Arbeit der Betreiber von Watchblogs oder der Hoax-Map möglich gewesen sei. Die Blogs, die minutiös und in Kleinstarbeit die Wahrheit herausarbeiten, sind so oft die Recherchegrundlage für spannende Storys.

So ist es ein mühsamer und zäher Weg, den Vorwürfen der medialen Unglaubwürdigkeit und falschen Nachrichten entgegenzutreten und durch Recherchearbeit die Wahrheit herauszufinden. Und dennoch führt keiner dran vorbei. Claus Kleber vom ZDF sagte am Vortag auf einem anderen Panel: „Es dauert zwei Minuten um Fake News ins Leben zu rufen und drei Tage, um sie wieder zu entkräftigen.“

Bild: Christopher Kammenhuber

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