Kunst, Stimmen zum digitalen Wandel
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„Jeder kann sein eigener Pressesprecher sein“

Die sozialen Medien haben nicht nur den Journalismus verändert, sondern auch die Strukturen im Kunstbetrieb. Sammler und Galeristen informieren sich auf Instagram wer gerade angesagt ist.

„The medium is the message“, wusste schon Marshall McLuhan. Durch das Internet und die digitalen Medien haben sich die Ausdrucksmöglichkeiten und der Materialfundus der Kunst vergrößert. Daniel Völzke erzählt, wie sich die Kunstwelt und der Journalismus verändert haben. Er ist Redakteur und Leiter des Onlinebereichs vom Kunstmagazin Monopol und studierte Kulturjournalismus im ersten Jahrgang an der UdK.

Kulturschwarm: Wann bist du das erste Mal mit dem Internet in Berührung gekommen?
Daniel Völzke:
Das war 1996 an der Uni Marburg, Einführungsseminar Germanistik in der Bibliothek. Der Tutor hat uns dort „das Internet“ gezeigt. Es hat ewig gedauert, die Suchmaschine AltaVista aufzurufen, noch länger, die Ergebnisse zum Stichwort Goethe zu finden.

Wie haben die neuen Medien den Kunstmarkt verändert?
Umfragen zeigen, dass sich immer mehr Menschen an Instagram orientieren: Sie schauen, wer was kauft, was anbietet, wer wen toll findet und richten danach auch ihr Kaufverhalten aus.

Hat das Studium an der UdK dich gut auf die Arbeitswelt vorbereitet?
Ich habe während meines Literaturstudiums kein Praktikum gemacht. Im Kulturjournalismus-Studium wurden wir gezwungen, Praktika zu machen. Das beim Tagesspiegel war wichtig für mich. Darüber hinaus war das Studium gut, um auch Radio- und Fernsehjournalismus kennenzulernen und zu sehen, dass es nichts für mich ist.

Was sind die Unterschiede bei der Arbeit im Onlinejournalismus im Vergleich zum Magazinjournalismus, was gefällt dir an dem einen und an dem anderen?
Ich finde die Mischung ganz gut. Es dauert viel länger, einen Printartikel zu schreiben, weil die Herangehensweise eine andere ist. Es hat auch eine ganz andere Aura, wenn etwas Schwarz auf Weiß steht und nicht mehr korrigierbar ist. Online-Artikel schreibt man in dem Bewusstsein, dass man es jeder Zeit korrigieren kann. Aber eigentlich ist das eine falsche Herangehensweise: Wenn man für Print schreibt, geht der Artikel durch verschiedene Instanzen, bevor er gedruckt wird. Da gibt es eine Kontrolle. Bei einem Onlineartikel ist man sein eigener Schlussredakteur. Darüber hinaus muss man online aber auch nicht so viel erklären, weil man verlinken kann zu anderen Artikeln. Außerdem bekommt man sofort eine Rückmeldung über Klickzahlen und Kommentare. Das verändert das Schreiben: Man schaut, was die Leute so interessiert.

Liest du die Kommentare zu deinen Artikeln?
Ja. Allerdings antworte ich nicht darauf, weil das sonst zu einem endlosen Regress führen kann. Es entwickeln sich aber schon zum Teil interessante Diskussionen. Auch wenn das in Deutschland nicht mit dem angelsächsischen Bereich zu vergleichen ist, wo die Menschen durch Debattierkurse in der Schule viel geübter sind. Hierzulande arten Diskussionen schnell in Diffamierungen aus.

Wie wichtig hältst du Social Media für Künstler?
Ich selbst schaue auch was Künstler so auf Instagram machen – sie haben dadurch ihren eigenen PR-Kanal.

Und für den Journalismus?
Ziemlich wichtig. Einerseits, um sich darüber zu informieren, Themen zu finden. Andererseits ist das auch Quellmaterial. Man kann zum Beispiel auch Instagramposts in Artikel einbinden. Das verändert den Journalismus, weil jeder sein eigener Pressesprecher sein kann. Während uns vor acht Jahren eine Galerie angerufen hätte, wenn sie eine wichtige Neuigkeit hat, damit wir sie verbreiten, machen die heute einfach selbst einen Facebookpost.. Das hat für uns Vor- und Nachteile: Einerseits haben wir mehr Quellmaterial, andererseits weniger zu tun.

Wie schätzt du die Zukunft des Onlinejournalismus ein?
Interessant finde ich, wie man durch Onlinejournalismus Geld generieren kann. Da setzt sich immer mehr das Modell des Native Advertising durch, bei dem man Artikel hat, die nicht weiter gekennzeichnet sind – gerade bei Blogs und Modemagazinen. Die Standards, dass man Werbung kennzeichnen sollte, wackeln mittlerweile. Es gibt aber auch nur wenig andere Möglichkeiten, ein Onlinemedium zu finanzieren, wenn es nicht, wie Monopol, von einem Printmedium getragen wird.

Interview: Jana Weiss

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