Kunst
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Eine ganz normale Tüte

Ihr kennt LIDL nur als Lebensmittel-Discounter? Der amerikanische Künstler Kirtland Ash hat sich von dem Logo der Supermarkt-Kette inspirieren lassen und es einmal ganz neu interpretiert.

Exzentrisch wirkt die junge Dame, mit dem fast bodenlangen, roten Rock, dem langen Cape im Leoprint und der überdimensionierten Rose auf dem Kopf. Eine Fashion Bloggerin vielleicht? Eine junge Frau aus reichem Hause? Und dann ist da noch die LIDL-Tüte, die sie ganz nah an ihren Körper presst. Während sie ihren Blick aufmerksam auf den Betrachter richtet, gleitet eine Hand unauffällig in die sorgfältig behütete Tüte. Zwar bewirbt der Discounter schon seit einigen Jahren seine Premium-Marke Deluxe mit dem Slogan „Luxus für alle“. Dass sich nun jedoch auch die Fashion Elite mit Tüten des Discounters schmückt, ist neu.

Galerie in London stellt LIDL-Kunst aus

Das Gemälde „LIDL Lucinda“ ist ein Werk des amerikanischen Künstlers Kirtland Ash und wird momentan in der Mead Carney Fine Art Gallery im Londoner Stadtteil Mayfair ausgestellt. Schon beim Betreten der Galerie blickt man auf ein großes Gemälde, das eine LIDL-Tüte zeigt. Direkt gegenüber hängen viele kleine Papiertüten, jede mit einem individuell gestalteten Logo der Supermarkt-Kette verziert. Auf weiteren Bildern und Collagen recken extravagant gekleidete Damen vor Freude die Hände zum Himmel, tragen ihre LIDL-Tüten wie ein Fashion-Statement vor sich her.

Der Discounter als Inspiration

Kirtland Ash, der auch in seinen bisherigen Kunstwerken mit kräftigen Farben und symmetrischen Formen arbeitete, wurde 2013 auf das LIDL-Logo aufmerksam und nutzte dieses als Inspiration: „Das Logo hat mich wegen der Einfachheit und der Stärke der Primärfarben angesprochen.“ Seine Kunstwerke startete er als Collage auf Papier. Er sammelte Gliedmaßen und Körperteile aus Magazinen, Zeitungen und Büchern „so wie andere Künstler Farben sammeln“ und setzte diese schließlich zu Figuren zusammen. So entstanden die Werke, die noch bis zum 8. März in Mayfair zu sehen sind. Wohin es danach geht? „Ich war noch nie in Deutschland, aber ich hätte großes Interesse meine LIDL Women dort zu zeigen“, so der Künstler.

Das Konstrukt der eigenen Identität

Doch die teils verwunderlich zusammengebastelten Figuren bergen auch Kritik: Ash hinterfragt damit den Materialismus und die Verbraucherherrschaft der Gesellschaft. Genau wie er seine Figuren aus den einzelnen Teilen bastelt, so auch bauen sich viele moderne Frauen ihre eigene Identität, merkt der Künstler an. So nutzt er genau diese Fragmente einstiger Schönheitsideale, um gegen die von den Medien geschaffene „perfekte Frau“ zu rebellieren. Auch auf eine Parallele zum Sprichwort „Wir haben alle unser Päckchen zu tragen“ weist er hin. Und lastet damit der armen LIDL-Tüte eine ganze Reihe an Interpretationen auf. Dabei würde diese doch am liebsten nur eines sein: Eine ganz normale Tüte.

LIDL Women
19.02.2015 – 08.03.2015
MEAD CARNEY FINE ART
45 Dover Street
London
W1S 4FF

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