Kollisionen
Schreibe einen Kommentar

Ein Besuch im Private-Center Berlin

„Für Frauen ist es wohl nicht der ansprechendste Sex Laden, den die Stadt zu bieten hat, doch hat er seinen authentischen, ramschigen und etwas schmuddeligen Charme und ist durchaus einen Besuch wert.“

Heute ist kalt und regnet. Ich betrete den Sex Shop in der Kantstraße 38, Private-Center Berlin. Ich bin gespannt und neugierig, ob ich ein Interview bekomme. Ein Mann mit zerzaustem, grauen Haar sitzt im Gang, gleich gegenüber der Eingangstür. Er sortiert gerade Damen Reizwäsche in Plastikverpackungen und hängt sie an Haken auf. Ich spreche ihn an: Guten Tag, ich bin Studentin der Universität der Künste hier in Berlin. Im Rahmen eines Seminars mache ich gerade ein künstlerisches Projekt zum Thema Frauen auf der Kantstraße. Würden sie mir dazu ein paar Fragen zu ihrem Laden beantworten?

Mhh..nö, dazu habe ich eigentlich keine Lust.-Das ist aber schade, es ist nur ein kurzes Interview um einen Eindruck des Geschäfts und ihrer Kundschaft zu bekommen, 5 Minuten würde es dauern. Sie würden mir damit sehr weiterhelfen. Och nö, wissen Sie, ich hab schon genug gesagt im Leben-ich hab einfach keine Lust heute! Ich bin enttäuscht, das wird wohl nichts mit dem Interview. Der Laden wirkt auf den ersten Blick eher klein und regelrecht vollgestopft.

Ich schaue mich weiter um. Schrille Farben und Formen begegnen mir. Ich lasse meinen Blick schweifen. An der Kasse finde ich aufgereiht Tuben in allen Farben mit Gleitgel in den verschiedensten Sorten-sensitive Aloe Vera, Erdbeergeschmack und Gefühlsecht…vielversprechend, denke ich. Daneben liegt ein Schälchen voller Kondome mit Noppen. Ich frage den Mitarbeiter, ob die zum mitnehmen sind-Na klar! Ich stecke mir eins in meine Jackentasche. Ich schlendere weiter und bleibe bei einem Regal voller Sexspielzeug stehen. Knallige Dildos, Vibratoren, Penisringe und Strap Ons reihen sich vor mir auf. Einige Spielzeuge finde ich ansprechend, andere schrecken mich eher ab. Reine Geschmackssache.

Ich gucke weiter und stoppe in der Porno Abteilung-2 Gänge, in denen sich Regale voller DVDs reihen. Ich bin neugierig und trete näher-Frauen, nackt versteht sich, dick und dünn mit Penissen in ihren Mündern und/oder in anderen Körperöffnungen werfen mir laszive Blicke zu. Auf den ersten Blick nicht die Art von Pornos, zu denen ich greifen würde. Ich will wissen, was es außerdem noch gibt und lande im Reizwäsche Abteil. Busenwunder in Wäsche räkeln sich vor mir. Auch Teufelinnen und Krankenschwestern in knappen Höschen grinsen mich an. Es gibt einige stilvolle Wäsche in dunklen braun, rot und schwarz Tönen. Mir gefallen ein paar Teile gut, aber der Preis schreckt mich ab. Warum ist hier alles nur so teuer? Besonderes Vergnügen hat eben seinen Preis. Der Gang führt mich zum Ausgang und ich verlasse den Laden. Ich setzte mir meine Mütze auf und lasse die Eindrücke Revue passieren. Ich bin immer noch etwas enttäuscht, dass ich kein Interview bekommen habe. Im Laden habe ich mich wohl gefühlt. Für Frauen ist es wohl nicht der ansprechendste Sex Laden, den die Stadt zu bieten hat, doch hat er seinen authentischen, ramschigen und etwas schmuddeligen Charme und ist durchaus einen Besuch wert.

Fotos und Text: Julia Schilling

FacebooktwitterFacebooktwitter
Kategorie: Kollisionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.