Gesellschaft, Musik
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Singen bitte!

Foto: Screenshot https://youtu.be/mNRLDlzHtUw

Holden Madagame ist Opernsänger. Vor nur wenigen Jahren hat er eine Transformation durchgemacht – er hat sich in einen Mann verwandelt. Und vom Mezzosopran in einen Tenor. Unsere Autorin Michalina Kowol hat Holden Madagame getroffen.

 

Ich heiße Holden Madagame, ich bin Amerikaner aus Michigan in den USA. Ich bin ein Opernsänger und ich bin transgender.

Ich bin in Berlin seit 2012 oder 2013, ungefähr. Berlin hat für mich viel geändert, ich bin hergekommen und ich mochte hier studieren, sofort studieren und sofort vorsingen. Ich war sehr depressiv. Ich habe realisiert, dass ich transgender bin. Und dass ich möchte “Transition” machen, und ich möchte Testosteron nehmen, und ja, das hat alles für mich geändert.

Früher habe ich als Mezzosopran gesungen, und jetzt singe ich als Tenor.

Es ist fast nie, dass man sich von Mezzosopran ins Tenor verwandelt. Es hört sich total anders an, meine Kunst ist ein bisschen anders, weil meine Stimme ist wie von einem Teenager, aber meine Kunst ist wie von einem Erwachsenen, weil ich habe meinen Bachelor gemacht und ich habe viele Opern gemacht. So es klingt sehr, sehr komisch, wahrscheinlich, wenn ich singe. Und wenn jemand mich für einen Job engagieren möchte, das passt manchmal nicht.

Vor seiner Wandlung war Holden Madagame depressiv.

Ja, ich hatte für ein paar Jahre überlegt was wichtiger war und für eine Weile es gab keine Entscheidung, weil man muss die Stimme wählen. Das ist keine Wahl eigentlich, deine Stimme ist dein Selbst. Es kam zu einem Punkt, dass so konnte ich nicht leben, ich musste was ändern und das einzige was ich machen konnte, war Testosteron zu nehmen. Aber ich wollte nicht nur Testosteron nehmen, sondern ich wollte auch als “Singer” arbeiten, ich wollte es versuchen. Ich wusste nicht, ob es möglich war, und ich war depressiv, weil ich dachte, dass ich mit dem Gesang aufhören muss.

Ich muss von Vorne anfangen als Tenor singen zu lernen. Nicht total von Anfang an, weil meine Aussprache zu singen, meine Kunst, Bühnenkraft ist sehr gut, aber ich habe nie diesen Tenor Passaggio (einen stimmlichen Übergang, Anm. d. Red.) erlebt und man muss das anders machen als Mezzosopran und es fühlt sich anders für mich an, in meinem Körper.

Für meine Kollegen, Professoren, und anderen in der Opernwelt war es bestimmt eine Überraschung. Die meisten haben mich unterstützt und gesagt, okay, du bist jetzt Holden. Du bist männlich, du bist transgender und es ist okay, es stört uns nicht. Ein paar Leute haben gesagt, dass ich mache etwas sehr falsch. Und dass ich soll es nicht tun, weil meine Karriere ist wichtiger… als mein Leben. Das hat mir ein Professor gesagt. Am Ende hat er gesagt, dass er nicht richtig war, und dass ich habe das Richtige gemacht und meine Kunst wurde dadurch verbessert. Aber die meisten haben keine Probleme damit. Auch, wenn ich vorsinge.

In seinem Lebenslauf erscheinen Rollen, die er heute nicht mehr singen könnte.

Es ist nur komisch, wenn man auf meinem ganzen Lebenslauf gucken möchte und seht zum Beispiel Der Barbier von Sevilla, und das hatte ich nicht als Tenor gesungen, sondern als Rosina, als Mezzosopran! Das ist manchmal komisch, aber hier in Deutschland hat niemand was gesagt. Die sagen nur: „Ah, interessant. Singen bitte!“.

Momentan singe ich am liebsten die Aria von Der verkauften Braut. Ich singe sie immer, wenn ich vorsinge und es macht mir wirklich Spaß. Der Junge stottert und es sollte wahrscheinlich witzig sein. Ich finde es nicht witzig, weil es kann schon passieren, dass jemand stottert. Ich mache diese Aria ein bisschen anders, dass sie sehr, sehr traurig wirkt. Und ich finde es viel Spaß, wenn ich das richtig mache und jemanden im Publikum traurig machen kann. Dass macht mir Spaß, weil es eine Überraschung ist.

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Kategorie: Gesellschaft, Musik

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