Gesellschaft, Musik
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Singen bitte!

Foto: Screenshot https://youtu.be/mNRLDlzHtUw

Holden Madagame ist Opernsänger. Vor nur wenigen Jahren hat er eine Transformation durchgemacht – er hat sich in einen Mann verwandelt. Und vom Mezzosopran in einen Tenor. Von Michalina Kowol.

Holden, was hat sich für dich in Berlin geändert?

Sehr viel, ich bin nach Berlin gekommen und wollte ab sofort studieren und vorsingen. Das war schon von mehreren Jahren. Ich war sehr depressiv, da ich realisiert habe, dass ich transgender bin. Und dass ich Testosteron nehmen möchte, und ja, das hat alles für mich geändert.

Testosteron zu nehmen bedeutete auch eine andere Transformation für dich…

Früher habe ich als Mezzosopran gesungen, und jetzt singe ich als Tenor.

…und solche Geschichten hört man nicht oft.

Es ist fast nie, dass man sich von Mezzosopran ins Tenor verwandelt. Es hört sich total anders an, meine Kunst ist ein bisschen anders, weil meine Stimme ist wie von einem Teenager. So es kann für manche komisch klingeln, wenn ich singe. Und wenn jemand mich für einen Job engagieren möchte, das passt manchmal nicht.

Was war deine Motivation, doch weiter zu singen?

Ich habe tatsächlich für ein paar Jahre überlegt was wichtiger war. Testosteron nehmen, oder singen? Und für eine Weile es gab keine Entscheidung, weil man muss die Stimme wählen. Das ist keine Wahl eigentlich, da deine Stimme dein Selbst ist. Ich konnte nicht so leben, ich musste etwas ändern und das einzige was ich machen konnte, war Testosteron zu nehmen. Aber ich wollte weiter Musik machen, ich wollte es versuchen. Ich wusste nicht, ob es möglich war. Ich habe gedacht, dass ich mit dem Gesang aufhören muss.

Was ist für dich das Schwierigste, mit einer neuen Stimme zu singen?

Ich muss von Vorne anfangen als Tenor singen zu lernen. Meine Aussprache zu singen, meine Kunst und Bühnenkraft sind zwar sehr gut, weil ich ja auch studiert habe, aber ich habe nie diesen Tenor Passaggio (einen stimmlichen Übergang, Anm. d. Red.) erlebt und man muss das anders machen als Mezzosopran. Es fühlt sich anders für mich an, in meinem Körper. Für meine Kollegen, Professoren, und anderen in der Opernwelt war es bestimmt eine Überraschung. Die meisten haben mich unterstützt und gesagt, okay, du bist jetzt Holden. Aber es gab auch Menschen die mir gesagt haben, dass ich etwas sehr falsch mache. Und dass ich soll es nicht tun, weil meine Karriere ist wichtiger… als mein Leben.  Aber die meisten haben keine Probleme damit. Auch, wenn ich vorsinge. Es ist nur komisch, wenn man auf meinem ganzen Lebenslauf gucken möchte und seht zum Beispiel Der Barbier von Sevilla, und das hatte ich nicht als Tenor gesungen, sondern als Rosina, als Mezzosopran! Das ist manchmal komisch, aber hier in Deutschland hat niemand was gesagt. Die sagen nur: „Ah, interessant. Singen bitte!“.

 

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