Gesellschaft
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Das Ende des Klischee-Studenten

Für Elena Berchermeier hat das Besuchen der Vorlesungen etwas mit Respekt zu tun. Ein Kommentar über die aktuell diskutierte Anwesenheitspflicht. 

Dass Studenten faul sind, ist leider mehr als ein Vorurteil. Vorlesung oder Seminar um neun Uhr morgens? Halbleere Reihen, einige trödeln später noch ein, Kaffeebecher in der Hand, Croissant-Krümel am Mund, doch viele entscheiden sich gleich für das Ausschlafen und gegen die Vorlesung am frühen Morgen. Deshalb diskutieren mehrere Bundesländer darüber, die Anwesenheitspflicht auch für Studenten einzuführen, und durchaus zu Recht.

Obwohl ein Studium zwar freiwillig begonnen wird, bringt es Pflichten mit sich, die die Studenten anscheinend nicht gerne wahrnehmen. Bereits die traditionelle „akademische Viertelstunde“ zeugt von notorischer Unpünktlichkeit. Es scheint, als schätzten Studenten das Privileg, studieren zu dürfen, weniger als den erquicklichen Morgenschlaf,  und würden das gesamte Studium nicht ernst nehmen. Noch ein paar Semester faulenzen, bevor es in der Arbeitswelt ernst wird. Diese Faulheit ist eine Respektlosigkeit – gegenüber Dozierenden und Kommilitonen, die pünktlich erschienen sind.

Alle Studenten sitzen im selben Boot und wollen letztendlich auch nach gleichem Maßstab gemessen werden, doch beim pünktlichen Erscheinen hört die Gleichheit auf. Dabei herrscht in Studium wie in der späteren Arbeitswelt tatsächlich das Recht des Wacheren, der für gute Leistung, Zuverlässigkeit und Anwesenheit belohnt wird und wohl auch später weniger Probleme mit Verpflichtungen haben wird. Dafür muss man allerdings zuerst einmal anwesend sein. Und möglichst ausgeschlafen.

Foto: Free stock photo of audience, auditorium, chairs von Pixabay Photography  unter CC0 

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1 Kommentare

  1. riotspouse sagt

    Liebe Frau B.,

    wenn heute ein Studium begonnen wird, dann ist das für viele Studierende nicht immer eine in Gänze durchfinanzierte Veranstaltung. Weder von den Studiengebühren her, die sich viele Studierende selbst erarbeiten müssen, noch vom Lebensunterhalt, der gerade in Berlin auch nicht mehr auf einem leicht zu bewältigenden Niveau liegt.

    Wer arbeitet, ist oft „auf Abruf“ und kann dann seltenst frei entscheiden, ob die Univeranstaltung Priorität hat. Falls Ihre Kritik an den unhöflichen Studierenden sich allerdings an diejenigen Studierenden richtet, die trotz reichlich Verspätung immernoch die Zeit gefunden haben mit einem perfekten Make-Up aufzuschlagen, dann bin ich ganz bei Ihnen.

    Generell – egal ob Bachelor oder Masterstudium: es sollte Studierenden überlassen sein, wie sie das Ziel erreichen. Mit einer Anwesenheitspflicht wird ein Studium sehr schnell wieder zu Elitenveranstaltung für die Kinder reicher Eltern. Und das braucht niemand, außer vielleicht ein konservatives Establishment.

    Und nein: Bafög ist nicht die Lösung. Bafög wird nicht bedinungslos verfügbar gemacht , sondern ist an eine Altersgrenze gebunden und wird darunter auch vom Elternhaus abhängig gemacht. Eine Unverschämtheit staatlicherseits, wenn einer erwachsenen Person nicht zugestanden wird, sich vom Elternhaus loszusagen und anderweitig zu entwickeln – und letztlich die Schulden aus dem Studium selbst zu gestalten.

    Ich wünsche Ihnen persönlich, dass ihre Work-Study-Balance derzeit gut läuft und gönne Ihnen selbstverständlich auch den Fall, das Ihr Studium und der Lebensunterhalt eventuell aus einem Fonds, Stipendium oder einem elterlichen Vermögen gesponsort wird.

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