Gesellschaft, Stimmen zum digitalen Wandel
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Wenn Daten zum Verhängnis werden

Maria Mohr wurde 1974 in Mainz geboren und studierte Architektur in Paris und Darmstadt und Experimentelle Mediengestaltung an der Universität der Künste Berlin. Zurzeit arbeitet die Regisseurin einiger preisgekrönter Filme als Dozentin für Film an der German University Cairo.


Kulturschwarm: Wie häufig schauen Sie täglich auf Ihr Smartphone?
Maria Mohr: (lacht) Ohje, die Frage ist eher, wie häufig ich nicht drauf gucke!

Was zeigt die Startseite Ihres Smartphones?
Da ist nicht viel drauf tatsächlich, nur Uhr, Wetter und Einstellungen.

Wann sind sie zum ersten Mal mit dem Internet in Kontakt gekommen?
Das war um 1994 rum, als ich in Paris lebte. Ein befreundeter Physikstudent hatte schon Internet.
Die Benutzeroberfläche sah total unsexy aus und E-mails zu schreiben war zwar schon möglich, aber noch nicht wirklich populär. Relevant wurde das dann erst, als ich 2001 für einen Film in Indien unterwegs war, um Kontakt nach Berlin zu halten.

Wohin führt uns das Digitale – in die absolute Freiheit oder die absolute Abhängigkeit?
Das ist wie mit allen technischen Dingen, die sind nicht gut oder schlecht an sich, es kommt darauf an, was man daraus macht. Ich denke, wir müssen schon im Blick behalten, wie durchsichtig und dadurch kontrollierbar wir uns machen. Gleichzeitig ermöglicht es mir die Digitalisierung und das Internet überall zu arbeiten. Es ist Segen und Fluch zugleich.

Wie hat die Digitalisierung Ihre Arbeit geprägt?
In gewisser Weise hat die Digitalisierung meine Arbeit erst möglich gemacht. Ich habe vorher analog Filme gemacht und mit der Digitalisierung konnte ich alles – analoges und digitales Ausgangsmaterial, bewegte Bilder, Fotos, Töne – einfach alles verwenden und miteinander verweben. Hier in Ägypten möchte ich allerdings zurzeit nicht produzieren, man kann nicht einmal eine Filmkamera rausholen, ohne verhaftet zu werden. Die politische Lage ist so angespannt, dass ich meinen Studenten nicht sagen kann, dass sie draußen irgendetwas mit Kamera und Stativ filmen sollen, das gäbe Probleme. Wenn gefilmt wird, am besten mit dem Handy und das versteckt.

Was bedeutet es für Ihre Arbeit in einem Land wie Ägypten, das den Arabischen Frühling erlebt hat, Soziale Medien zu nutzen?
Das Internet hier wird überwacht und durch die Daten, die zum Beispiel von Facebook abgeschöpft werden, werden die Leute trackbar. Da kann es schon mal passieren, dass verfolgt wird wo sich eine Person aufhält und sie dann vor Ort im Zuge einer Razzia verhaftet wird. Und das beispielsweise wegen eines regierungskritischen Posts auf Facebook. Aktivisten die ich kenne, nutzen Facebook überhaupt nicht oder nur sehr rudimentär. Interessanterweise läuft hier aber trotzdem fast alles über das Netzwerk. Wenn ich etwas zu einer kulturellen Veranstaltung wissen will, finde ich es eventuell irgendwo auf einer Website. Aber meistens muss ich, wenn ich etwas zum Kulturprogramm oder zu Instituten wissen will, auf Facebook nachschauen.

Wie nutzen Ihre Studierende das Internet und Soziale Medien?
Meine Studierenden sind quasi verwachsen mit ihren Smartphones, sie schauen wirklich alle zwei Minuten drauf. Hier läuft ebenfalls alles über Facebook, die Organisation von Seminaren und Inhalten, alle Informationen werden hier ausgetauscht. Ich schreibe lieber Emails, um Kontakt zu halten. Und das persönliche Treffen ersetzt ohnehin nichts.

Fotos: Andrea Kroth, Maria Mohr (Screenshot).

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