Gesellschaft
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Karl der Größenwahnsinnige 

Oops, he did it again. In einer französischen Talkshow meldete sich Karl Lagerfeld vergangene Woche wieder einmal gewohnt hemmungslos zu Wort. Obwohl der gebürtige Hamburger seit Jahrzehnten in Frankreich lebt, war es ihm ein Anliegen, mit Merkels Flüchtlingspolitik abzurechnen.

Angriffe dieser Art gehören zum Repertoire des deutschen Modemachers. So nannte er  in der Vergangenheit Übergewichtige als Grund für leere Sozialkassen und setzte sich gegen die Einführung eines Magermodel-Gesetzes ein.

Dieses Mal stand die deutsche Bundeskanzlerin auf seiner Agenda. Man könne nicht Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen, so der Modedesigner. Ferner beschuldigte er Merkel, sie habe ihr „Image als Rabenmutter“ aus der Griechenland-Krise verbessern wollen.

Dass Herr Lagerfeld nach eigenen Aussagen noch nie in seinem Leben gewählt hat und dies auch nicht mehr zu tun plant, ist eine interessante Randnotiz in diesem Kontext. Denn was kümmern Herrn Lagerfeld die vielen Flüchtlinge in Deutschland, wenn politisches Interesse und Engagement offenbar nicht vorhanden sind.

Möglicherweise mag bis zu seinem Pariser Nobel- Apartment vorgedrungen sein, dass Antisemitismus auch unter Muslimen verbreitet ist. Jedoch sollte einem notorischen Nicht-Wähler und Exil-Franzosen verwehrt bleiben, seinen Senf in eine Debatte hinzuzugeben, die ihm bisher wenig Sorge bereitet zu haben scheint: aus der Ferne kritisiert es sich immer gut, und der Holocaust ist in jeder Debatte das letzte Argument.

Auf der Wahlparty der AfD haben wir Lagerfeld jedenfalls vermisst. Merkel vorzuwerfen, sie wolle ihr Image aufpolieren, indem sie sich in eine innenpolitische Krise stürzt, ist absurd. Lagerfelds Worte sind unsachgemäß und stehen in keiner Relation zu den tatsächlichen Problemen, die jene Flüchtlingswelle mit sich bringt. Der Holocaust hat so wenig in Merkels Flüchtlingspolitik verloren, wie Modeschöpfer Karl in politischen Debatten. Halten Sie sich in Zukunft doch bitte davon fern, Herr Lagerfeld.

Foto: „Karl Lagerfeld with roses“ von Real Distay/Flickr

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