Gesellschaft
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Die Farbe Lila

Spiritualität in der Großstadt. Ein Erfahrungsbericht.

Im Sommer letzten Jahres treffe ich Katharina Dombrowski in einem Café in Berlin, ein gemeinsamer Freund stellt uns vor. Neugierig höre ich zu, als sie von ihrem Neubeginn erzählt. Katharina hat lange im Bereich Public Relations und Events in der Modebranche gearbeitet. Dann ist sie innerhalb von wenigen Tagen auf einem Auge erblindet. Die Diagnose Multiple Sklerose ändert für sie alles. Die Schulmedizin kann ihr nicht helfen und sie beginnt sich über alternative Heilmethoden zu informieren. Das Verlieren einer ihrer Sinne, des Sehens, lässt andere wieder deutlicher hervortreten. Durch ihre wiederentdeckte Intuition geht es Katharina gesundheitlich nun viel besser, sie entscheidet sich, die neue Kraft zu nutzen, um auch anderen zu helfen. Sie lernt über Energiearbeit und bietet seither verschiedene Praktiken an: Chakra-Healing, bei dem Blockaden des Energieflusses beseitigt werden; geleitete Meditation; Completion Process, ein heilendes Ritual zur Traumabewältigung; Channeling, bei dem über ein Medium Kontakt mit dem Jenseits aufgenommen wird; Kinesiologie, ein Therapieverfahren, das davon ausgeht, dass die Muskulatur in Verbindung mit dem emotionalen Befinden steht; Farbtherapie, bei der mit Farblicht gearbeitet wird; Reiki, eine meditative Behandlungsform der Energiearbeit; und Tree Meditation, eine Meditation mit dem Baum zur Verbindung mit sich selbst und der Natur.

Ein Jahr später. Seit einer Weile beobachte ich, dass sich Bekannte und Freunde verstärkt mit Spiritualität und Natur auseinandersetzen. Sie glauben an Holismus, daran, dass ein System nur als Ganzes funktionieren kann – es geht um die Verbundenheit von Allem mit Allem. Ich bin weder religiös noch habe ich ein besonderes Interesse an Esoterik oder Spiritualität, dennoch glaube ich, dass es mehr gibt, als das, was wir mit unseren Augen sehen. Diese neue Bewegung macht mich neugierig.

Ich melde mich bei Katharina und vereinbare einen Termin. In ihrer Wohnung in Berlin-Mitte riecht es schon im Treppenhaus nach Räucherstäbchen. Katharina begrüßt mich lächelnd an ihrer Wohnungstür. Ich bin skeptisch – was erwartet mich hier? Ich nehme ihre Arbeit ernst, aber gleichzeitig möchte ich kritische Fragen stellen. Herausfinden, was diese Energiearbeit wirklich ist und wie sie mir helfen soll. Wir sitzen in Katharinas Küche, mit sanfter Stimme erzählt sie mir von ihrem Weg zu diesem neuen Leben, von der schockierenden Diagnose MS und wie sie Schritt für Schritt in die Spiritualität eintauchte.

Katharina fragt, ob sie sich mit mir verbinden darf, ich willige ein. Wir stehen jetzt in ihrer Küche, sie schließt die Augen. Sie erhalte die Nachricht, sie solle die Hand bei mir auflegen, sagt sie. Wir gehen in das andere Zimmer, wo ich mich hinlegen kann. Nun liege ich da, mit geschlossenen Augen, Katharina steht neben mir und bewegt ihre Hände über mich. Ich spüre ein Kribbeln in meinem Körper. Sie erklärt, welches der sieben Chakren sie gerade fühlt und was sie spürt und sieht. Jedes der Chakren habe eine Farbe und ich konzentriere mich, diese Farbe zu sehen. So sehr ich mich anstrenge, ich sehe nur die Farbe Lila. Katharina spricht von Unausgeglichenheit in meinem Leben, benennt ganz konkrete familiäre Situationen. Ich bin überrascht, denn sie scheint Zustände zu spüren, die tatsächlich wahr sind. Dinge, die meine besten Freunde nicht wissen und die doch zu konkret sind, um nur Floskeln zu sein. Nachdem sie alle Chakren durchgegangen ist und wir beide wieder die Augen öffnen, habe ich ganz viele Fragen. Woher weiß sie all diese Dinge über mich? Und was könnte ich nun als nächsten Schritt mit dieser Zustandsaufnahme machen? Lassen sich Konflikte allein über das Ausgleichen von Energien lösen? Katharina sagt ja.

Zuletzt erzähle ich ihr von dem intensiven Lila, das ich gesehen habe. Es zaubert ihr ein Lächeln ins Gesicht. Sie sagt Lila sei die Farbe, mit der sie arbeite, es sei ihre Farbe.

Mehr über Katharina Dombrowski findet man auf ihrer Website.

Foto: Michael Eickelmann, Deepest Forest, Licence CC BY-NC 2.0_1

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