Gesellschaft
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Der Untergang des KiK-T-Shirts

Das grinsende KiK-T-Shirt mit der schrillen Stimme kennt jeder. Seit einiger Zeit scheint es aber gänzlich aus der Werbung verschwunden zu sein. Ist das der tiefe Fall einer Werbeikone? Eine Glosse 

Das Gesicht einer ganzen Marke, ein Werbestar, ein Hassobjekt: Das KiK-T-Shirt.
Jeder kennt es, keiner mag es.
Das rote T-Shirt mit den riesigen Augen, dem Mund in Form eines Hakens und den weißen Handschuhen hoppelte sich jahrelang auf Highspeed durch die Fernsehwerbung.
Wie man eben so läuft, wenn man ein T-Shirt ist und keine Beine hat.

Erbarmungslos krähte das Vorzeige-Gesicht des Textildiscounters dem Zuschauer regelmäßig mehr oder weniger verlockende Angebote entgegen:
„Für nur 2,99€ gibt es jetzt bei KiK Damen-T-Shirts und Große-Größen-Tops in verschiedenen Farben!“ … „Hochwertige BH-Sets aus Spitze!“ … „Damen-Big-Shirts mit verschiedenen modischen Drucken!“ … „Hochwertige Herren-Pyjama in verschiedenen Farben und Mustern!“
All das mit einer Stimme, die klingt, als hätte das T-Shirt erst eine Heliumparty in der Waschmaschine gefeiert und im Anschluss zu viele Runden im Trockner gedreht.

Neben den misstönenden Lauten, einem leicht debilen Grinsen und markanten Statement-Augenbrauen sind die weißen Handschuhe das Erkennungszeichen des sprechenden Kleidungsstücks.
Warum ein T-Shirt, das weder Arme noch Beine hat, Handschuhe trägt, ist bisher noch ungeklärt. Dubiose Nebenjobs als Ringrichter beim Boxen, Golflehrer oder Chirurg sind nicht ausgeschlossen.
Eventuell stehen die Handschuhe neben der täglichen Ration Helium als Bedingung im Modelvertrag mit KiK. Aus hygienischen Gründen. Immerhin pappt das Shirt 2,99€-Sticker auf Spitzen-Unterwäsche an Damen-Pos.

Das gehörte zumindest in der Vergangenheit zu seinen anspruchsvollen Aufgaben. Denn seit einiger Zeit ist das modelnde T-Shirt spurlos aus der Werbung verschwunden.
Damit könnte sich der Textilstar in die A-Liga der D-Prominenz einreihen, die lukrative Werbeverträge verloren hat. Der Grund dafür ist nicht selten ein skandalträchtiger Imageverlust.

Verhängnisvolle Schaumparty mit Meister Proper?

Schon lange überschleudern sich die Gerüchte in den Waschtrommeln der Werbehelden.
Waschechte Insider munkeln, dass das KiK-Sternchen auf einer Schaumparty Meister Proper eingeseift habe und sich seitdem im Rosenkrieg mit dem Spee-Fuchs befinde.
Jemand behauptete sogar, das T-Shirt habe sich an einer Wäscheleine aufhängen wollen.

KiK setzt derweil auf neue Werbung. Das krähende Shirt wurde kurzerhand durch niedlich lachende Kinder und eine säuselnde Frauenstimme ersetzt. Gekrönt werden die Happy-Family-Aufnahmen von einem eigens entwickelten und rührend getexteten KiK-Song.

Für das T-Shirt scheint der Textildiscounter zumindest momentan keine Verwendung mehr zu finden. Ob es bald wieder angehoppelt kommt, bleibt abzuwarten. Überhören würde man dessen Organ mit Wiedererkennungswert jedenfalls nicht.
Vielleicht hat das clevere KiK-T-Shirt aber auch schon längst einen neuen Werbevertrag ergattert.
Und zwar beim Spee-Fuchs in der Waschtrommel. Kochwäsche, 90 Grad.

Foto: Amelie Graen

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Kategorie: Gesellschaft

Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Hildesheim in einem Dorf, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Offen für andere Kulturen habe ich mein Studium der Medien und Kommunikation im Freistaat Bayern (Augsburg) und dann ein Semester in den Vereinigten Staaten von Amerika (Washington DC) verbracht. Währenddessen Praktika bei allem, was mir Spaß macht: in Print-, Fernseh-, Online- Redaktionen und bei einer Produktionsfirma. Meinen Berufswünschen aus einem Freundschaftsbuch der dritten Klasse kann ich nur zustimmen. Weise vorausschauend hatte ich auch damals schon einen Plan C für eventuelle Medienkrisen: „Schriftstellerin, Reporterin oder Schweinezüchterin.“

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