Gesellschaft
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Keine Kanon-Leierei

Keine Kanonleierei

Argumente dagegen hat jeder parat: Sie seien zu elitär, förderten vor allem Kinder aus dem Bürgertum, während sie die anderen ausgrenzten. Die horrenden monatlichen Gebühren brächten nur Chancenungleichheit. Oft herrsche eher Drill als Leistungsförderung, wenn man Chinesisch für Sechsjährige anbietet. Herzlich Willkommen in der Privatschuldebatte!

Keine Kanonleierei

Wie kam es überhaupt zu dieser Diskussion? Seit den Pisastudien stehen Eltern und Schüler unter Druck. Pädagogen fingen an, die Art der Wissensvermittlung und den Erziehungsauftrag der Schule zu hinterfragen. Politiker und Professoren redeten von Bildungs- und Statuspanik, die Angst vor dem Abgleiten der Mittelschicht in untere Schichten. Schule war nicht mehr nur Schule. Die Erwartungen an sie stiegen, denn es ging nicht mehr nur um das bloße Lehren und Lernen. Auf einmal spielte auch der Protagonist des Stücks, das Kind, eine Rolle. Diese Stimmung nutzten Privatschulinitiativen. Sie reagierten mit alternativen pädagogischen Ansätzen auf die Bildungsdebatte. Es begann eine Gründerzeit der Privatschulen. Die Nachfrage der Eltern ist gestiegen, das zeigt der erbitterte Wettbewerb um freie Plätze. Manche Eltern melden ihre Neugeborenen an – Jahre im Voraus.

Aus dieser Nachfrage ist das Bild der Privatschulen als Elitefabrik für Kinder überehrgeiziger Eltern entstanden, es ist ein Zerrbild. Denn kaum eine dieser Schulen behauptet, ihre Schüler seien besser als Schüler der staatlichen Schulen. Gute Noten und Einser-Abschlüsse bekommt man auch dort nicht geschenkt oder kann sie sich gar erkaufen. Der Bau einer Karriereleiter ist nicht die Aufgabe einer Privatschule. Eltern können sich nicht zurücklehnen und von der Pflicht entbunden fühlen, für die Bildung ihres Kindes zu sorgen, nur weil es eine Privatschule besucht. Die Kinder bekommen kein Fünf-Sterne-all-inclusive-Bildungspaket. So funktionieren Privatschulen nicht. Sie kennzeichnet eher ihre Brückenfunktion zwischen einem festgefahrenen staatlichen Schulmodell und informellem Lernen. Und dem Fokus auf individuelle Bedürfnisse.

Da Privatschulen nichtstaatlich sind, nennen sie sich auch freie Schulen. In staatlichen Schulen wird viel zu oft ein Bildungskanon heruntergeleiert. Für individuelle Förderung bleibt wenig Zeit, und über alternative Schulmodelle debattieren Politik und Schulbürokratie monatelang, jahrelang, bis zur Erschöpfung. Privatschulen sind da unabhängiger. Klar, auch sie müssen sich an Richtlinien orientieren. Aber sie können sich an pädagogischen Ansätzen wie der Lehre von Maria Montessori freier und schneller bedienen als staatliche Einrichtungen. Sie experimentieren und schauen auf die Bedürfnisse der Kinder. Und bieten Lernbegleiter, Feriencoaching oder intensive Einzelbetreuung leistungsschwacher Schüler. Das Zentrum, von dem alles ausgeht, ist das Kind. Die neue Bildung: die vieler Individualisten? Und falls ja, wäre das dann das Schlimmste?

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Kategorie: Gesellschaft

Julia Haase kommt aus Oelsnitz im Vogtland. Dort ist sie aufgewachsen, hat das Gymnasium besucht und 2005 ihr Abitur gemacht. An der Universität Leipzig hat Julia Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaft studiert. Ihre ersten praktischen Erfahrungen hat sie 2008 in der Leipziger Journalistenagentur 4iMedia gemacht. Während der Intensivausbildung beim studentischen Lokalradio mephisto 97.6 wurde Julias Interesse am Hörfunk geweckt. Bis 2010 hat sie dort als freie Redakteurin gearbeitet und Beiträge für unterschiedliche Ressorts gemacht. Beim freien Radio hat sie daraufhin eine eigene Musiksendung produziert, welche sie mit einem Blog begleitete. Seit 2011 arbeitet sie als Moderatorin und freie Redakteurin für das Onlinemagazin splash!-Mag. Anfang 2011 hat Julia außerdem beim Mitteldeutschen Rundfunk im Bereich Neue Medien gearbeitet. Julias Leidenschaft ist die Musik. Großes Interesse hat sie aber auch für Kunst und Literatur. Die journalistische Tätigkeit in der Musik- und Popkultur wäre Julias Traumjob. Ganz egal, ob TV-Format, Hörfunk, Printmedium oder Online. Am besten alles kombiniert.

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