Film, Stimmen zum digitalen Wandel
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„Im Kern wird alles gleich bleiben“

In Zeiten, in denen das gute alte Fernsehgerät immer mehr ausgedient hat und Filme und Serien überwiegend im Internet konsumiert werden, sollte man annehmen, dass sich auch die Schauspielerei im Wandel befindet. Aber stimmt das auch wirklich?

Einer, der es wissen muss ist Sebastian Urzendowsky. Er schloss 2009 sein Schauspiel-Studium an der UdK ab und war seitdem in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen (u.a. „Tatort“ und „Berlin 36“) zu sehen. Im Steckbrief erzählt er, ob und wie sich die Schauspielerei verändert hat und wie wichtig Neue Medien für ihn persönlich sind.

Kulturschwarm: Wann waren Sie zum ersten Mal mit dem Internet in Kontakt?
Sebastian Urzendowsky:
Als ich 13 Jahre alt war, hat mir jemand sehr begeistert davon erzählt, dass man sich da jetzt ganz einfach über sein Handy einwählen könnte. Damals hatte aber gerade mal meine Mutter ein Handy. Das war so groß, dass es bei uns nur ‚der Toaster‘ hieß.

Wie haben Neue Medien Ihre schauspielerische Arbeit verändert?
Bisher haben sie das nicht. Ich muss aber auch gestehen, dass ich zu dem Begriff Neue Medien nur eine sehr diffuse Vorstellung habe. Ein Beispiel. Wenn ich in einem grünen Anzug mit tracking points durch einen imaginären Raum springe, der später per cgi dazu gebastelt wird – ist das dann schon neu? (Für mich persönlich wäre es das.) Oder erst wenn eine crowd im Netz darüber abstimmt, wie der Raum aussehen soll, und wie und wohin ich darin springe? Spannend fände ich beides. Sowohl den technischen Aspekt als auch die variable, interaktive Erzählform. Aber Erfahrung damit habe ich bisher keine.

Wie wichtig sind Neue Medien für Ihre Arbeit als Schauspieler?
Social Media wird scheinbar wichtiger. Dabei geht es um die Vermarktung von sich selbst. Aber das verstehen einige auch unter Arbeit als Schauspieler.

Sehen Sie Neue Medien als Fluch oder Segen?
Jede neue Technik bietet erst mal eine Riesenchance, anders Kunst zu schaffen, oder einfach anders zu erzählen. Film hat Theater nicht abgeschafft, Fotografie nicht die Malerei. Also bin ich neugierig. Skeptisch sehe ich die Sozialen Medien. Weil da alles auf die Zahlen von Likes und Followern ausgerichtet ist. Das ist reine Marktwirtschaft. Obendrein gaukeln die Zahlen einem aber unterbewusst vor, dass man mit ihnen auch die Qualität von Aussagen, Bildern o.ä. bemessen könnte. Nach dem Motto: Was so vielen gefällt, muss gut sein. Wenn dann Kreative ihre Inhalte ändern für mehr Sichtbarkeit, hat das mit Kunst nichts mehr zu tun.

Lesen Sie Kommentare oder Zuschriften, die Sie im Internet erhalten?
Ja. Aber da ich seit einigen Jahren nicht mehr auf Facebook bin, hält sich das in Grenzen.

Welches Medium liegt Ihnen mehr: Theater oder Fernsehen?
Ich habe als Jugendlicher schon begonnen zu drehen. Film ist mir vertrauter.

Wie schätzen Sie die (multimediale) Zukunft der Schauspielerei ein?
Ach, es wird sicher einiges Neues an Formen dazukommen. Und im Kern alles gleich bleiben.

Interview: Malte Baumgarten, Porträt: Pedram Noutash

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