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Itsy Bitsy Teenie Weenie

Filmstill aus "Eins, zwei, drei" von Billy Wilder, 1961

Dass der Bikini untrennbar mit der schönsten Jahreszeit verbunden ist und sich Modeschöpfer wie Trägerinnen jedes Jahr von Neuem an ihm abarbeiten, ist klar. Aber wer hätte gedacht, dass das Modische Etwas eine Geschichte von fast 2500 Jahren am Wickel hat?

Schon attische Schalen um 440 v. Chr. dokumentieren die frühe Existenz des Zweiteilers. Die Zeichnungen auf der Keramik zeigen junge Frauen in Höschen und Brustbändern. Ob es sich allerdings um Unterwäsche oder Sportkleidung handelte, lässt sich nicht mehr herleiten.

Diese antiken Abbilder müssen es gewesen sein, die den Freiburger Valentin Lehr im Jahr 1900 zu einer zweiteiligen Bademoden-Kreation inspiriert haben. Sie wurde ausschließlich von einer geächteten Minderheit getragen – den Anhängern der Freikörperkultur. Denn Frauen, die in der Öffentlichkeit zu viel nackte Haut zeigten, liefen Gefahr, am Strand verhaftet zu werden. Die rigiden Maßnahmen änderten sich Ende der 1920er Jahre, als das Schönheitsideal der „vornehmen Blässe“ einer „gesunden“ Bräune wich. Frau trug jetzt statt des hochgeschlossenen Badetrikots einen kurzen Rock oder eine miederartige Hose – das Oberteil ähnelte einem BH.

Am Vorabend von Hitlers Machtergreifung versank Deutschland wieder in Prüderie. 1932 verhängten der Preußische Reichskommissar und Innenminister Franz Bracht den sogenannten Zwickelerlass. Dieser untersagte das Tragen eines Zweiteilers. Unter den Nationalsozialisten wurden diese Normen noch verschärft. Ab Mitte der 1930er Jahre verlängerte sich der Einteiler nach unten um einen Beinansatz. Trotzdem brach ausgerechnet Hitlers Geliebte dieses Gesetz -Eva Braun liebte es, im knappen Zweiteiler am Strand zu posieren.

1946 entwirft Louis Réard, Automechaniker und späterer Modeschöpfer ein zweiteiliges Badeoutfit, das er nach dem Bikini-Atoll benennt. Genau jener Marshallinsel, auf der im selben Jahr Kernwaffenversuche durchgeführt werden. Der sehr knappe Bikini, der aus nur vier mit Kordeln verbundenen Stoffdreiecken besteht, besitzt enorme moralische Sprengkraft. – Für seine erste öffentliche Präsentation am 5. Juli 1946 im Pariser „Piscine Molitor“ muss die Nackttänzerin  Micheline Bernardini engagiert werden. – Es findet sich absolut kein Mannequin, das bereit wäre, ihn zu tragen.

So kämpft der Bikini auch nach dem Krieg gegen überkommene Moralvorstellungen und ist an den meisten europäischen Badeorten verboten. Ähnliches gilt für die USA, besonders für die Traumfabrik Hollywood. – Hier gibt man sich besonders zugeknöpft. Warum? Der Bikini unterstützt in seiner Zweiteiligkeit nicht das Modediktat der Zeit, das Wespentaille, runde Hüften und einen vollen Busen vorschreibt. Für dieses modellierende Konzept ist er schlichtweg zu transparent. Prompt wird er wieder aus der Mode verbannt.

Die Wende für das minimalistische Konzept fällt ins Jahr 1953. In Amerika erobert sich Marilyn Monroe am Set von „River of No Return“ im schwarzen Bikini, Krücken und Highheels eine noch größere Fangemeinde. Und Europa feiert Brigitte Bardot, nachdem sie im rosa karierten Zweiteiler mit den Fotografen in Cannes geflirtet hat.

Der Bikini ist plötzlich salonfähig. Und seine markante Form wird übertragen. Die Nachkriegsarchitektur benennt luftige Laubengänge nach ihm. Ein berühmtes Beispiel ist das Bikini-Haus am Berliner Breitscheidplatz. Und der nachhaltigste Ohrwurm des Sommers 1960 lautet „Itsy bitsy teenie weenie, yellow polka dot bikini…“
Selbst Billy Wilder konnte sich dessen Wirkung nicht entziehen und macht ihn in „Eins, zwei, drei“ zum Soundtrack der lustigsten Folterszene der Filmgeschichte.

 

Absolute Weltberühmtheit erlangt der Bikini 1962 durch James Bond und eine Schweizerin. Wer kennt ihn nicht – Ursula Andress Auftritt als Honey Ryder in „007 jagt Dr.No“, wie sie im weißen Zweiteiler aus den Fluten steigt…?

 

Foto: Filmstill aus „Eins, zwei, drei“ von Billy Wilder

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